art in public space competition process + city

Prozessuales Freiheits- und Einheitsdenkmal für Leipzig? realities:united und prozessagenten erreichen 2. Platz im Wettbewerb

prozessagenten freuen sich zusammen mit realities:united über den 2. Preis beim Wettbewerb zum Leipziger Freiheits-und Einheitsdenkmal. prozessagenten hatten beim eingereichten Entwurf von realities:united eine beratende Rolle. Das Konzept sieht ein prozessuales Monument vor, das die in Leipzig stattfindenden Demonstrationen über den Zeitraum der kommenden 20 Jahre visualisiert und somit ein sich ständig veränderndes Abbild der politischen und gesellschaftlichen Konflikte bietet.

Noch ist unklar, ob das Konzept nicht doch zur Realisierung kommt. Und zwar weil der Juryentscheid im Rahmen der Bestimmung, welches der drei Gewinnerprojekte nun realisiert werden soll, zunächst nur zu 60% zählt. Die verbleibenden 40% ergeben sich aus dem kommenden Verhandlungsverfahren. Am Ende wird der Entwurf realisiert werden, der die meisten Punkte sammeln konnte. Momentan entfallen auf den 1. Preis 160 Punkte, auf den zweiten 120 Punkte und 60 Punkte auf den 3. Platz. Im sich nun anschließenden Verhandlungsverfahren können nochmals insgesamt 120 Punkte dazu gewonnen werden.

Die Projektbeschreibung zum Download

Diskussionsplattform zum Denkmal

Bilder der Preisverleihung und Ausstellung

process + city process + dance review

Prozessualität im Tanz – Civic Mimic von Richard Siegal in München

Aus prozessagenten Sicht war die Aufführung der Tanzperformance Civic Mimic am vergangenen Freitag in München eine interessante Anwendung des prozessualen Prinzips im zeitgenössischen Tanz. In dieser Arbeit untersucht der Choreograph Richard Siegal „das Zusammenkommen von Menschen in urbanen und öffentlichen Räumen sowie die Bedingungen, aus denen Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein, Eigentumsrechte und Überfluss entstehen.“ Sechs Tänzer, fünf Frauen und ein Mann, bewegen sich über ca. 70 Minuten durch den Raum, in diesem Fall eine lang gestreckte Halle in dem großartigen, noch nicht eröffneten Neubau des Ägyptischen Museums. Die Pariser Architekturfantasten R&Sie(n) haben für das Stück eine wackelige Bühne geschaffen, eine Art zweigeteilte, organische Rampe, die sich in den Raum hinein zieht und anscheinend durch temporäre Anbauten beliebig verlängern lässt: eine nicht ganz überzeugende Architektur, die, wäre sie konsequenter, dem Stück einen architektonischen Rahmen hätte geben können, der eine günstigere Balance zwischen Tanz, Ton und Bild geschaffen hätte.

Die Tänzer bewegen sich auf dieser Rampe und durch die Halle in ständig wechselnde Formationen, einzeln, zu zweit und zu mehreren. Das Stück gleicht einem wechselhaften Gespräch mit tänzerischen Mitteln, in dem die Tänzer über ihren Körper kommunizieren. 60 Tanzbewegungen umfasst das zuvor erarbeitete Repertoire, mit dem die Tänzer miteinander und mit den Zuschauern in Kommunikation treten. So entsteht ein schnelles, im Raum verteiltes Mit- und Gegeneinander, in dem Tanzgesten sich wiederholen, variieren, aufgegriffen und verworfen werden. Dies geschieht mit einer solchen Natürlichkeit und Dynamik, dass für den Zuschauer kaum erkennbar ist, was vorher choreographisch bestimmt wurde und was die Tänzer spontan in der Performance entwickeln. Überhaupt bleibt für den Zuschauer weitgehend intransparent, wie auch die Musik, eine Komposition von Hubert Machnik, auf die Performance reagiert, bzw. wer in dem Dialog zwischen den Tänzern und den musikalischen Strukturen, die von Machnik live interpretiert werden, wann leitet und folgt. So sind dann die Interaktion und die prozessuale Entwicklung des Stückes bei jeder Aufführung zwar zu erahnen, wenn man um sie weiß, aber nur erfahrbar, wenn man mehr als eine Performance sieht. Siegal benutzt Prozessualität als ein Instrument, das immer wieder neue Varianten produziert, indem Tänzer und der Musiker eines ihnen gegebenen Programms frei wählen. Das Stück basiert auf der von Siegal entwickelte choreografische Methode If/Then Open Source, einem spiel-basierten, syntaktischen Notationssystem.

Für gewöhnlich hält Siegal vor der Aufführung Workshops ab, in denen zusätzliche, lokale Tänzer in das Stück eingeführt werden, die dann in der Performance auf die Haupttänzer reagieren und die Komplexität, Dynamik und Unvorhersehbarkeit des Stückes steigern. Potenziert wird dies noch durch das Publikum, das ebenfalls einbezogen wird, so dass die Grenzen zwischen dem Bühnenraum und dem Zuschauerraum, den Tänzern und dem Publikum zunehmend verwischen. In München allerdings nahmen die Zuschauer auf den bereit gelegten Kissen auf dem Boden Platz, statt sich durch den Raum zu bewegen. Auch hatten keine Workshops stattgefunden, so dass die sechs Tänzer auf sich alleine gestellt waren und sich kaum Gelegenheit bot, in das Publikum hinein zu gelangen. So reduzierte sich der Prozess auf die Produktion tänzerischer Varianz, und es fand keine Partizipation oder echte Interaktion mit dem Publikum statt. Wenngleich dies eine enorme Schwächung des Prinzips und der angestrebten Wirkung bedeutete, waren die tänzerische Qualität beindruckend und die Übersetzung des Themas gelungen. Gesellschaftliche Anonymität und Isolation waren ebenso spürbar wie Phänomene des Gruppendrucks oder der kollektiven Begeisterung. Vielleicht lag es an dem Fehlen anderer Tänzer in München – nur ab und zu kam es zu Momenten der Entspannung und des Innehaltens, aus denen heraus sich etwas Neues hätte entwickeln können. Selten, aber besonders stark waren vor allem diejenigen Stellen, an denen es zwischen den Tänzern zu einer spürbaren Selbstverständlichkeit kam und Nähe sichtbar wurde, doch diese Inseln wurden auf der Jagd nach neuen Konstellationen schnell wieder verlassen.

open data

Getting emotional about Open Data

Open Data is a hot topic. Almost everybody seems to agree that making local data available to the public makes perfect sense. No doubt, citizens benefit from the increasing transparency of processes in their city, but the publication of this data also brings up some questions that are uncomfortable for those private corporations that gather all our individual data and use it without our explicit permission. One of the core question is who should own the data that we produce as citizens and individuals: The institutions collecting the data that we generate through our use of their systems and services or we, the data producers, ourselves. Shouldn’t those banks, phone companies, credit card services, doctors, shops, network providers, internet retailers, search engines at least provide transparency of what they actually do with the data, thus giving us the chance to decide whether we want to use their services under those circumstances or not. Should they not provide us with access to the data produced by us, so we can monitor ourselves better and maybe improve our own recording systems and simplify our tax statements for example?

At the same time, we already suffer from such an overload of information, that perhaps only a minority of people would actually access ‘their’ data and make use of it. The same applies to the public data that is already accessible. Who but those who have an affinity to data are looking up public data sets that are made available and even make use of them? This is where data visualisation can help. Data visualisation is a medium which emphasises specific aspects of the given data and offers a particular reading of it. Thus it becomes an expressive an powerful communication tool, that can even create a new reality. Numerous groups like WE LOVE OPEN DATA and individuals worldwide have started to visualise open data for the public good, driven by their own curiosity and philanthropism.

Translating rows of data into easy-to-read maps or comprehensive diagrams is one way of bridging the gap between dry numbers and the public. But why not going one step further and translating data into an even more sensual experience that we are all familiar with – like food? This is the basic idea of the Open Data Cooking Workshop. People who like to cook (and eat) are given an opportunity to explore both the local cuisine as well as local data by translating data into cooking recipes and meals. As much as this sounds fun, this collaborative research is supposed to give people concrete insights into the quality and diversity of the locally available data and teaches them principles of data representation. Through the very personal, emotional and sensual activity of cooking food they get involved with the material, be it vegetables or numbers.

After all, it looks like one of the challenges of the Open Data movement–next to opening up relevant data that citizens can relate to in a personal way–is to give people tools, methods and media enabling them to interpret, individualise and express data in an emotional way.

art in public space book process + city

“Urban Media Cultures” is out now

Whether computer-animated light installations, light projections or mechanical media surfaces, it is impossible to imagine contemporary architecture without media facaes. The recently published volume “Urban Media Cultures” discusses the potentials of the development of mediated urban spaces in a spatial and social context. International experts from the fields of marketing, technology and culture, e.g. Susanne Jaschko from “prozessagenten”, Kerstine Budde from “A wall is a screen”, Marc Tamschick, Hank Hausler and many others explain the major developments in urban media and take a look at what the future holds. Published by Susa Pop, Ursula Stalder, Gernot Tscherteu and Mirjam Struppek. Av Edition, in English and German, ISBN-10: 3899861698

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Ob computeranimierte Lichtinstallationen, projizierte Leuchtflächen oder mechanische Medienoberflächen: die Medienfassade ist aus der aktuellen Architektur nicht mehr wegzudenken. Der frisch herausgegebene Band “Urban Media Cultures” diskutiert die Potentiale dieser medialen Stadtentwicklung im räumlichen und sozialen Kontext. Internationale Experten aus den Bereichen Marketing, Technologie und Kultur, wie z.B. Susanne Jaschko von “prozessagenten”, Kerstin Budde von “A wall is a screen”, Marc Tamschick, Hank Häusler und viele mehr informieren den Leser über die Entwicklungen der urbanen Medien und wagen einen Blick in die Zukunft. Unterteilt in die Kapitel Stadtentwicklung, Technologie, und Vermarktung zeigt das Buch anhand zahlreicher Beispiele aktuelle Tendenzen der interaktiven, städtischen Mediensysteme. Herausgegeben wird der Band von Susa Pop, Ursula Stalder, Gernot Tscherteu und Mirjam Struppek. Av Edition , in Englisch und Deutsch, ISBN-10: 3899861698

process + architecture process + art

Almost a prozessagenten manifesto

When visiting Zurich, Switzerland last week, I met Adrian Notz, the director of Cabaret Voltaire.

Cabaret Voltaire was founded 1911 by Hugo Ball und Emmy Hennings, Hans Arp, Tristan Tzara and Marcel Janco and became quickly the home of DADA. Today, the place hosts one of the few really nice little cafés in Zurich, a shop and most importantly, an exhibition and event space. Cabaret Voltaire produces a program that explores notions of contemporary DADA and I was impressed by the degree of well-ordered chaos and spontaneity that characterized the current show Al Dadaida: The Revolution to Smash Global Capitalism.

At the end of our meeting, Adrian gave me some gifts, items available at the shop, which I only took a closer look at when having returned to Berlin. Among them was a little book that I started reading immediately, since I found the title extremely promising –Merz World: Processing the complicated order. In it is an interview of Yona Friedman whose work I appreciate a lot and Hans-Ulrich Obrist. I was fascinated by Friedman’s perspective on Kurt Schwitters’ Merzbau–a work of art I was deeply impressed by already when I studied art history. Now that I am occupied with processes of art and design, this early fascination of mine makes total sense.

If permitted, I would just copy the whole interview and make it available completely. But you know how it is, and so I decided to make available a couple of quotes that i found most inspiring with regard to the work and conceptual basis of prozessagenten. In some instances it really comes close to a potential prozessagenten manifesto.

Yona Friedman:

What is most interesting for me in the Merzbau is what I would call a ‘Merz Principle.’ The Merz Principle means a random agglomeration of things that form a whole. I think this Merz Pinciple exists in everything. But first I have to clarify certain basic concepts:

Reality around us is not isolated facts, but rather processes. It is very important that is is not one part of the process that is interesting for us, but the process as a whole. The problem in particle physics is mathematical models. Mathematical models are absolutely perfect, except that they are unable to describe a process. They are conceived in order to get results. Now, in reality we are not really curious about the results except in engineering, for approximations, but we are interested in processes. A process can be described only and exclusively by its history, by a linear presentation. It means that we can have a different, less mathematical, and more precise presentation of the world around us by sequential description.(…)

The second term that I use differently to the term of ‘complexity’ is the term ‘complicated order.’ In complexity, extreme complexity, you have for example, a finite number of elements; where there is a direct relation between all of them, there will be only a finite complexity, a finite number of elements. In complicated order it is different. The complicated order is not a graph but a funny curve, which can go any way. Again: it is a one-dimensional relation, but for a finite number of elements I have infinite possible complicated orders. This is a very big difference. And what we meet is the complicated order.(…)

This complicated order is more far more general than we think. My dog is a very intelligent being. He lives in a world where he is not using mathematical formulas at all, but he completely understands the world and shows absolutely healthy reactions. What I want to say is that you cannot describe behavior by mathematical formulae, except as sequences.

The difficulty with the city, with architectural products, is that they are based on behavior. Without the behavior of the user they are not complete. The only thing that completes them is that they are used. A building that has no users is not a building. It is a ruin. This shows that in architectural cities the planners are supposed to do something to satisfy the complicated order of behavior. But this is impossible because (…) It is erratic. That means one step of somebody’s behavior does not give us the slightest information about what will be his next step. It can be anything.

Intelligence starts with improvisation an this is true in every field.(…) A good example is science: Newton and Einstein were improvisers. They had ideas born through improvisation. Only then was their work to find mathematical justification. So in this kind of work we improvise inside an erratic world and then, after that, we try to rationalize. And I think this is important as a principle because in classical architecture, in functionalist architecture, everywhere, it is first presented by the rational aspect. But it is in fact the rational aspect that should come afterwards.

First of all, it is an image–i don’t like the word ‘vision’–that creative people build. They build this image and they rationalize after. Very often the poverty of architecture is based on the fact hat we start with words, with theory, with the paper. We have to have the image in our head before putting it on paper.(…) In addition to this, again, the image is a continuous process. I am sure that Schwitters didn’t see in advance what he was going to do. It developed step by step. It was a sequence, and it is a pity that it couldn’t be recorded as a sequence. And I think, evidently, that the city is like this: it is a process, it is not a product. Architecture is this way. Science is also this way, and so on. And now another factor comes in: the process is emotional. It is not rational. We rationalize art. And it may be that I am not right.(…)There is no final state, it is a long, ongoing process. In this ongoing process everybody is participating, not only the architect.(…)

My personal experience is that the most one can do is trigger a process. The process goes its own way, but you have to start it.(…)

Also, I don’t talk about works of art, I talk about processes of art. We know that the public completes the work of art with its associations. I find it almost more reasonable that you make a work of art, and somebody adds something to it. From your point of view this might be an error of aesthetics. But it is not an error from the human point of view.